Facharzt für Strahlentherapie

Tel. +43 680 301 77 20

Débridement

Unter Débridement versteht man die tiefgreifende Entfernung von anhaftendem, abgestorbenem oder kontaminiertem Gewebe aus einer Wunde.

Débridement ist seit Jahrhunderten eine  wesentliche Säulen in der Behandlung chronischer Wunden und gehört zur routinemäßigen Versorgung schlecht heilender Wunden, um den Prozess der Gewebereparatur einzuleiten. Das Wort Débridement kommt aus dem Französischen, wo débridement so viel bedeutet wie »von Zügeln befreien«.

Débridement gilt als zentraler Bestandteil der konventionellen Wundversorgung. Es wird zur Entfernung von nicht lebensfähigem Gewebe eingesetzt, das ein Risiko für die Besiedlung mit pathogenen Mikroorganismen und Infektion darstellen kann.

Nicht lebensfähiges (nekrotisches) Gewebe kann die Wundheilung behindern, indem es die Zellmigration über die Wunde hinweg behindert, die normale Entwicklung des Wundbettes hemmt und die Bildung von Granulationsgewebe verhindert.

Die nicht selektive Natur mechanischer Débridements kann Granulationsgewebe entfernen, das während der proliferativen Phase der Wundheilung schon gebildet wurde.

Débridement diabetischer Fußgeschwüre

Débridement diabetischer Fußgeschwüre ist eine weit verbreitete Methode zur Entfernung von abgestorbenem Gewebe, das in der Regel an den Füßen von Diabetikern auftritt. Schätzungen zufolge entwickeln 15–34 % aller Diabetiker im Laufe ihres Lebens Fußgeschwüre.

Devitalisiertes Gewebe in einem diabetischen Fußgeschwür wirkt als Barriere für die Heilung, indem es als Infektionsherd dient und die Migration von Zellen behindert, die für die zelluläre Regeneration des diabetischen Fußgeschwüres erforderlich sind.

Das chronisch nicht heilende diabetische Fußgeschwür verfällt in der Entzündungsphase der Heilung in eine Stagnation. Diabetische Fußgeschwüre, die mit kritischen Organismen besiedelt sind und keine normale Blutversorgung haben, begünstigen ein Entzündungsphase Milieu in der Wunde. Diese entzündliche Phase der Heilung zeigt sich in einer Fülle von Entzündungszellen und Entzündungsmediatoren.

Die Entzündungsphase umfasst einen Anstieg des Enzyms Matrix-Metalloprotease und entzündlicher Zytokine, die die zelluläre Opsonisierung und Chemotaxis von Entzündungszellen fördern. Diese Phase der Heilung zieht weitere Entzündungszellen an und setzt diesen sich wiederholenden schädlichen Kreislauf fort.

Débridement hilft, das Wachstum pathologischer Organismen zu begrenzen und mildert die Entzündungsreaktion, die das diabetische Fußgeschwür in der Entzündungsphase der Heilung stagnieren lässt. Durch das Débridement wird die Wunde effektiv in die anfängliche akute Wundheilungsphase oder die Hämostase-/Koagulationsphase der Wundheilung zurückversetzt.

Débridement fördert das Fortschreiten des diabetischen Fußgeschwürs durch die Phasen der Wundheilung, von der Hämostase-/Gerinnungsphase bis zur Reifephase der Heilung. Die Entfernung von devitalisiertem Gewebe ist entscheidend für die Förderung der Angiogenese, der Vaskulogenese und der Entwicklung von Granulationsgewebe, was die Heilung in einem beschleunigten Zeitrahmen ermöglicht.

Scharfes chirurgisches Débridement diabetischer Fußgeschwüre

Die vorherrschende Expertenmeinung ist, dass nicht lebensfähiges und nekrotisches Gewebe entfernt und bis zum blutenden Gewebe abgetragen werden soll, wodurch praktisch eine „neue akute Wunde” entsteht. Dadurch werden die Phasen der Wundheilung von Anfang an neu gestartet, was nicht möglich ist, ohne dabei gesundes Gewebe zu verletzen, wenn versucht wird, nicht lebensfähiges Gewebe zu entfernen. Die Verletzung von gesundem Gewebe resultiert aus der heiklen Aufgabe, lebensfähiges von nicht lebensfähigem Gewebe mit standardmäßigen Präparationsinstrumenten, wie z.B. Skalpellen und Küretten, zu trennen.