Facharzt für Strahlentherapie

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Wundheilung mit Octenisept

Das heutige Unternehmen schülke wurde von den Kaufleuten Rudolf Schülke und Julius Mayr im Jahr 1889 in Hamburg zur Herstellung des Desinfektionsmittels Lysol gegründet. Mitte der 1980er Jahre forschte die Firma schülke an einem neuen antiseptischen Wirkstoff für Haut, Schleimhäute und Wunden und brachte diesbezüglich 1990 Octenisept auf den Markt. Octenidindihydrochlorid, Octenidin, ist der aktive, antiseptische Wirkstoff von Octenisept.

Octenisept-Lösung

Octenisept-Lösung enthält die antiseptischen Wirkstoffe Octenidindihydrochlorid (0,1 %) und 2-Phenoxyethanol (2,0 %), sowie weitere Inhaltsstoffe wie Cocamidopropylbetain, Natrium-D-gluconat, Glycerin 85 %, Natriumchlorid, Natriumhydroxid und gereinigtes Wasser. Diese Komponenten bilden zusammen eine klare, alkoholfreie Lösung zur Desinfektion von Wunden und Schleimhäuten, ohne die austrocknende Wirkung von Alkohol. Darüber hinaus enthält Octenisept Ethylhexylglycerin, ein tensidähnliches Molekül, das die Oberflächenspannung von wässrigen Lösungen verringert und dadurch deren Benetzungsverhalten verbessert.

Residualwirkung

Octenidindihydrochlorid ist ein kationischer Wirkstoff, der sich durch eine Wirksamkeit auszeichnet, die auch nach der eigentlichen Anwendung erhalten bleibt und somit die oberflächliche bakterielle Besiedlung weiterhin gering hält oder weiter reduziert, was als Residualwirkung bezeichnet wird.

Insbesondere in der Wundversorgung ist eine möglichst lange Residualwirkung von großem Vorteil. Es werden nicht nur die bereits in der Wunde vorhandenen Keime abgetötet, sondern auch neu (von außen) eindringende Mikroorganismen, einschließlich derjenigen der Hautflora.

Octenidin wird nicht resorbiert, sondern verbleibt auf den Zellen der Körperoberfläche und kann dort nachweislich mindestens 48 Stunden lang seine breite antimikrobielle Wirksamkeit entfalten. In der Praxis ist zu beachten, dass octenidinhaltige Produkte nach der Anwendung nicht abgespült werden, da sonst die Nachwirkung verloren geht.

Biofilm

Mikroorganismen können sowohl im planktonischen, frei im Wasser schwebenden, Zustand als auch im Biofilmzustand existieren. Biofilme sind bakterielle Aggregate von Mikroorganismen, die in eine dicke, schleimartige Barriere aus Zuckern und Proteinen eingebettet sind. Diese Barriere schützt die Mikroorganismen vor dem natürlichen Immunsystem des Patienten und vor vielen antimikrobiellen Wirkstoffen.

Die Reinigung einer Wunde mit Octenisept kann einen bestehenden Biofilm auflösen und die planktonischen Mikroorganismen beseitigen.

Octenidin wirkt entzündungshemmend

Die Wundheilung verläuft normalerweise in vier Phasen: Hämostase, Entzündung, Proliferation und Hautumbau. Doch chronische Wunden folgen keiner so klar definierten Kaskade sondern bleiben in der Entzündungsphase stecken.

Proinflammatorische Zytokine spielen eine wichtige Rolle in den ersten Phasen der Wundheilung wobei Interleukin (IL)-6 die Entzündungsreaktion verstärkt. Darüber hinaus begünstigt IL-6 den Übergang von einer akuten zu einer chronischen Entzündung, da es stimulierende Wirkungen auf T- und B-Zellen ausübt.

In einer Studie von Seiser et al. 2021 von der Medizinischen Universität Wien zeigte die mit Octenidin Hydrogel behandelte Haut deutlich niedrigere IL-6-Spiegel als unbehandelte Haut, was die entzündungshemmende Wirkung und die verbesserte Wundheilung von Octenidin erklären kann.

Chronisch, venöse Beingeschwüre

Chronisch, venöse Beingeschwüre machen den Großteil der Geschwüre in den
unteren Extremitäten aus. Die zugrunde liegenden Ursachen sind eine Insuffizienz der Venenklappen und eine Unzulänglichkeit der Wadenmuskelpumpe, was zu venöser Stauung und Hypertonie führt.

Chronische, venöse Unterschenkelgeschwüre gehen mit einer hohen mikrobiellen Kontamination und häufig auftretenden lokalen Infektionen einher.

Das Octenilin® Wundgel von Schuelke & Mayr, ein antiseptisches Hydrogel, unterstützt die Heilung chronisch, venöser Unterschenkelgeschwüre, wie Strohal und Hämmerle schon 2016 zeigen konnten. In dieser Studie wurde das Octenidin hältige Wundgel allein oder in Kombination mit einem modernen, an die Wundphase angepassten Verband über einen Zeitraum von 42 Tagen studiert wobei der Verband alle 3–5 Tage gewechselt wurde.

Vor dem Verbandwechsel wurden alle Wunden, mit Ausnahme von Wunden mit Anzeichen einer lokalen Infektion, mit Natriumchlorid unter Verwendung von Wundgaze gereinigt. Infizierte Wunden wurden mit Octenisept, der Octenidindihydrochlorid hältigen Lösung, gereinigt. Alle Wunden wurden dann mit dem Octenidin-basierten Wundgel behandelt und entweder nur mit einem Wundkontaktverband oder einem modernen, an die Wundphase angepassten Verband abgedeckt.

Dabei zeigte sich nach 42 Tagen Behandlung mit Octenilin® Wundgel ein fast vollständiges Débridement und die Bildung von Granulationsgewebe. Am Ende der Studie betrug die mediane Reduktion der venösen Ulkusfläche 64,1 %, wenn Octenilin® Wundgel mit einem geeigneten, an die Wundphase angepassten Verband appliziert wurde, und 96,2 %, wenn die Wunde lediglich mit einer Wundkontaktschicht und einer Saugkompresse abgedeckt wurde.

Die Reduktion der Keimbelastung war unter der Behandlung mit Octenilin® Wundgel am höchsten in der Gruppe, in der die Wunde nur mit einer Wundkontaktschicht und einer Saugkompresse abgedeckt wurde.

Zusammengefaßt kann daher gesagt werden, daß das Octenilin®-Wundgel als erfolgreiche Therapie zur Förderung der Heilung chronisch, venöser Unterschenkelgeschwüre angesehen werden kann.