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Wundheilung und Ernährung

Behandlung einer Wunde am Unterschenkel
Behandlung einer Wunde am Unterschenkel

Malnutrition gehört zu den häufigsten Krankheiten im Alter. Sie ist der häufigste Störfaktor der Wundheilung. Malnutration bedeutet schlechte Ernährung. Meistens bedeutet das, dass man entweder nicht genug (Unterernährung) oder nicht genug von den richtigen Lebensmitteln isst, um dem Körper die Nährstoffe zuzuführen, die er braucht, um gesund zu bleiben. Unterernährte Patienten sind hochgradig dekubitusgefährdet. Parallel zur Verbesserung der Ernährung zeigt ein bestehendes Ulkus eine zunehmend bessere Heilungstendenz.

Energiemangel

Wundheilung ist energieintensiv. Die Heilung einer Wunde erfordert einen Energieaufwand von bis zu 35–40 kcal/kg pro Tag (Seiler und Regeniter, 2010). Der tägliche Kalorienbedarf eines Gesunden, zum Vergleich, liegt bei 30 kcal pro Kilogramm Körpergewicht. Bei Krankheiten wie der Multimorbidität geriatrischer Patienten und gleichzeitig bestehenden Wunden, wie z.B. Dekubitalulkus, steigt der Energiebedarf auf 40 bis 50 kcal pro Kilogramm Körpergewicht. Erst diese Energiemenge hilft den katabolen Metabolismus zu durchbrechen und ermöglicht Anabolismus. Die notwendige Kalorienzufuhr erfolgt am besten über energiereiche Mahlzeiten und Zwischenmahlzeiten. Defizite lassen sich mittels flüssiger, vollbilanzierter Supplementnahrung ausgleichen.

Die stark gesteigerte Zellproliferation, Proteinsynthese und Enzymaktivität erfordern Nahrung mit hoher Energiedichte. Aus Kohlenhydraten (Glukose) wird über die Atmungskette das für die Stoffwechselprozesse benötigte energiereiche ATP (Adenosintriphosphat) hergestellt. Stehen für die ATP-Produktion jedoch zu wenig Kohlenhydrate zur Verfügung, werden hochwertige körpereigene Muskelproteine über den Mechanismus der Glukoneogenese zur Energiegewinnung abgebaut. Dies führt zu weiterem Proteinmangel und Muskelschwund und damit zu körperlicher Schwäche.

Proteinmangel

Traditionell beträgt die Verteilung der Makronährstoffe in der Ernährung 40–60 % Kohlenhydrate, 25–30 % Fett und 15–20 % Protein. Proteinmangel beeinträchtigt die Proliferationsphase der Wundheilung, indem er die Angiogenese, die Fibroblastenproliferation und die Kollagenproduktion hemmt und die gesamte Bindegewebsbildung reduziert.

Täglich können große Mengen an Protein im Wundexsudat verloren gehen (Molnar). Das Vorhandensein einer chronischen Wunde kann den Proteinbedarf um 250 % erhöhen, um eine angemessene lean body mass, LBM, aufrechtzuerhalten. Proteinverluste sollten ersetzt werden, um Komplikationen bei der Wundheilung zu verhindern. Verluste an LBM treten auf, wenn nicht ausreichend Protein verfügbar ist, wodurch Körperprotein abgebaut wird, um Aminosäuren für die Wundheilung bereitzustellen. Wenn Glukose nicht ausreicht, wird zusätzlich Protein abgebaut, damit Aminosäuren für die Glukosesynthese in der Leber verwendet werden können. Der Abbau von Körperproteinen trägt zum Verlust an LBM bei.

Diese negativen Folgen des Proteinverlusts zeigen sich in allen vier Phasen der Wundheilung (Hämostase, Entzündung, Proliferation und Remodellierung). Phagozyten, Monozyten, Lymphozyten, Leukozyten und Makrophagen benötigen Protein für ihre Bildung und sind für eine Immunantwort notwendig. Eine unzureichende Immunantwort verzögert den Übergang der Wunde vom Entzündungsstadium zur Proliferationsphase.

Ein Kohlenhydratmangel beeinträchtigt die Synthese von Adenosintriphosphat (ATP) und beeinträchtigt dadurch die Proteinsynthese und Angiogenese. Normalerweise greift der Körper auf gespeicherte Energiereserven zurück, um den erhöhten Bedarf zu decken. Bei unterernährten Patienten sind diese Reserven jedoch erschöpft, sodass sie den Bedarf für die Wundheilung nicht decken können.

Mangelhafte Ernährung macht die Haut dünn und brüchig. Sie wird anfällig für Hautinfektionen und Wundbildung. Nur optimal ernährte Haut kann den üblichen Risikofaktoren eines Dekubitus einen genügend grossen Widerstand entgegenstellen.

Durch den Verlust von subkutanem Fett an Druckstellen und die zunehmende Immobilität aufgrund fehlender Energiereserven ist die Wahrscheinlichkeit der Entstehung von Druckgeschwüren erhöht.