Facharzt für Strahlentherapie

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Wundheilung und Probiotika

Rund 90 % der Zellen auf unserer Haut sind Bakterien, wobei es „gute“ und „schädliche“ Vertreter gibt. Der „Hauptverursacher“ ist Staphylococcus aureus, in ca. 9 % davon als methicillinresistenter Staphylococcus aureus (MRSA). Weitere Bakterien, welche chronische Wunden besiedeln, sind Pseudomonas aeruginosa und Enterobakterien, wie zum Beispiel Escherichia coli, Klebsiella pneumoniae, und Enterobacter spp., die natürlicherweise im Darm vorkommen und Infektionen verursachen können, wenn sie in eine offene Wunde gelangen.

Chronische Wunden

Jede chronische Wunde ist von bis zu 70 verschiedenen Bakterien besiedelt. Patienten mit chronischen Wunden zeigen immer wieder ein Aufflammen von Infektionen wobei das Risiko einer Wundinfektion bei älteren Menschen höher ist, weil die Stoffwechselprozesse mit zunehmendem Alter langsamer werden und ältere Menschen öfter an Diabetes leiden und übergewichtig sind. Diabetes und Übergewicht erschweren zudem die Wundheilung.

Mikrobiom

Das Mikrobiom, die Gesamtheit der auf uns lebenden Mikroorganismen, ist bei übergewichtigen Patienten mit Diabetes für die verzögerte Wundheilung verantwortlich, weil es eine ganz andere Zusammensetzung hat und pathogene Keime deshalb ein leichteres Spiel haben.

Das Mikrobiom der Haut zeichnet sich durch eine einzigartige Besiedelung aus, die zwischen den Menschen grundsätzlich unterscheidet. Auch innerhalb einer Person variiert die Besiedelung der Haut von Region zu Region. Faktoren wie Feuchtigkeit, pH-Wert der Haut oder Fettverteilung aufgrund der Talgproduktion beeinflussen die Ansiedelung und die räumliche Mikrobiomverteilung. Das Mikrobiom verändert sich auch im Laufe unseres Lebens und wird mit zunehmendem Alter von einer für trockene Haut charakteristischen Gemeinschaft dominiert.

Wundmikrobiom

In Wunden ist das Mikrobiom im Vergleich zur umgebenden, gesunden Haut verändert. Wundbesiedlungen durch Pathogene wie Staphylococcus aureus oder Pseudomonas aeruginosa wirken sich nachteilig aus. Es kommt zu einer verlängerten, dysregulierten Entzündungsreaktion mit anhaltend hohen Spiegeln proinflammatorischer Zytokine. Ein besonderes Problem ist die Bildung von Biofilme, die die Behandlung erschweren, die Entzündung verstärken und den Heilungsprozess hemmen.

Ein Ungleichgewicht in der Hautmikrobiota, bei dem pathogene Mikroorganismen in übermäßiger Zahl vorkommen oder die Anzahl nützlicher, gesundheitsfördernder Mikroorganismen verringert ist, kann die Hautbarriere und die Abwehrmechanismen der Haut beeinträchtigen, was zu Entzündungen und schlecht heilenden Wunden führen kann.

Diabetische Wunden

Diabetische Wunden heilen sehr langsam, weil sie einfach durch das Metabolische Syndrom eine schlechtere Immunabwehr und eine schlechtere Mikrodurchblutung haben. Durch die Grunderkrankung ist die Infektabwehr teilweise so beeinträchtigt, dass man durch engmaschige Verbandswechsel dem Körper helfen muss, die Erreger von den Wunden zu entfernen oder das Mikrobiom in den Prozess der Wundheilung einzubeziehen.

Probiotika

Probiotische Bakterien sind lebende Mikroorganismen, die dem Menschen einen gesundheitlichen Vorteil bringen. Das Mikrobiom chronischer Wunden unterscheidet sich grundsätzlich von jenem der gesunden Haut. Probiotika können durch die Modulation des Immunsystems den Heilungsprozess positiv beeinflussen. Probiotika können dazu beitragen, jene positiven Mikroorganismen zu unterstützen, die mit uns leben.

Probiotika modulieren das Immunsystem, indem sie entzündungshemmende Zytokine wie IL-10 stimulieren, und verdrängen pathogene Mikroorganismen durch Konkurrenz um Nährstoffe. Sie produzieren antimikrobielle Substanzen wie Bakteriozine und kurzkettige Fettsäuren. Probiotika reduzieren den pH-Wert, indem sie Milchsäure und andere organische Säuren bilden.

Probiotika Studie

Eine Studie untersuchte Patienten mit diabetischen Ulzera bzw. chronischen Wunden. Die Patienten nahmen in diesem Fall über sechs Monate täglich OMNi-BiOTiC HETOX, ein oral appliziertes Probiotikum, ein. Nach Abschluss der Intervention waren die Wunden von fünf der insgesamt dreizehn Patienten vollständig abgeheilt.